Kandersteger Deklaration gegen Mobbing unter Kindern und Jugendlichen
Vom 08. - 10. Juni 2007 fand in Kandersteg / Schweiz eine internationale Konferenz "Mobbing bei Kindern und Jugendlichen", organisiert durch die Universität Bern, statt. TeilnehmerInnen waren Personen aus Wissenschaft und Praxis, die an diesen Tagen zu dem Thema eine "Kandersteger Deklaration" ausarbeiteten. Diese faßt die neuesten Erkenntnisse zu Gewalt und Mobbing und dessen Prävention zusammen. Die Deklaration wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und kann unter folgendem Link www.kanderstegdeclaration.com angesehen werden. Die UnterzeichnerInnen dieser Deklaration verpflichten sich langfristig und nachhaltig für positive Sozialbeziehungen und gegen Gewalt und Mobbing bei Kinder und Jugendlichen einzusetzen.
Die Deklaration
Wir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der internationalen Konferenz „Efforts against victimization“ in Kandersteg/Schweiz vom 8. bis 10. Juni 2007, wollen uns langfristig und nachhaltig für positive Sozialbeziehungen und gegen Mobbing bei Kindern und Jugendlichen einsetzen!
Wir stellen fest:
- Jeden Tag werden auf der ganzen Welt schätzungsweise 200 Millionen Kinder und Jugendliche von ihren Gleichaltrigen gemobbt. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat aber das Recht auf Respekt und Sicherheit. Mobbing ist eine Verletzung dieses grundlegenden Menschenrechts.
- Es liegt in der moralischen Verantwortung der Erwachsenen, für dieses Recht und überhaupt für die gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen einzustehen. Viele Erwachsene brauchen und wünschen mehr Wissen über Zusammenhänge und mehr Kenntnisse über Vorgehensweisen gegen Mobbing.
- Mobbing ist eine Form von Gewalt und damit ein eigentlicher Missbrauch von sozialen Beziehungen. Mobbing wird heute weltweit als eine ernsthafte Entwicklungsbehinderung erkannt. Mobbing hat viele Gesichter, je nach Alter, Geschlecht und Kultur. Auch moderne Technologien werden mitunter für Mobbing missbraucht.
- Gemobbte Kinder und Jugendliche leiden unter dieser Gewalt. Einige nehmen sogar Schaden für ihr ganzes Leben. Auch die Mobbenden können langfristigen Schaden erleiden.
- Viele Faktoren, die Mobbing begünstigen, aber auch solche, die Mobbing verhindern, sind bekannt und wissenschaftlich gesichert. In verschiedenen Ländern werden diese Erkenntnisse bereits heute mit ermutigenden Ergebnissen für Präventionsprogramme verwendet.
- Mobbing beeinträchtigt nicht nur die psychische und physische Gesundheit sowie die soziale und schulische Entwicklung der Betroffenen. Mobbing hat auch für die ganze Gesellschaft massive Konsequenzen: Es beeinträchtigt die Effizienz unseres Bildungswesens, verursacht Kosten für unser Gesundheitswesen, unser Sozialwesen sowie das Justizsystem und reduziert spätere Arbeitsleistung, Produktivität und Innovation.
- Mobbing geht daher uns alle an!
Wir fordern:
- Wir müssen Mobbing verhindern und zwar ohne Zögern und überall, wo Kinder und Jugendliche leben, lernen und spielen.
- Prävention muss früh beginnen und über die ganze Kindheit und das Jugendalter reichen.
- Dabei ist auf wissenschaftlich gesichertem Wissen über Risiken und Schutzfaktoren aufzubauen.
- Allen Erwachsenen, die Kinder betreuen, ist Zugang zu Wissen und zu Bildungsangeboten zu ermöglichen, damit sie im Stande sind, wirkungsvoll positive Sozialbeziehungen zu fördern und Mobbing zu verhindern.
- Es sind politische Maßnahmen zu ergreifen und wissenschaftlich abgesicherte Präventionsprogramme einzusetzen, die dem Alter, dem Geschlecht sowie der Kultur angemessen sind und Familien, Gleichaltrige, Schulen und Gemeinden mit einbeziehen.
- Präventionsprogramme sind fachlich zu begleiten und immer wieder wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.


