Was ist Gewalt?

Für viele Menschen eindeutig als Gewalt erkennbar sind mehr oder weniger schwerwiegende körperliche Übergriffe, die sichtbare Verletzungen zur Folge haben. Eine mögliche Definition dieser Auffassung von Gewalt stammt vom norwegischen Gewaltforscher Olweus (1999), der Gewalt an folgenden Merkmalen festmacht:

Gewalt oder gewalttätiges Verhalten ist aggressives Verhalten, bei dem ein Täter oder eine Täterin seinen oder ihren eigenen Körper oder ein Objekt (auch eine Waffe) dazu verwendet, um einer anderen Person einen (relativ großen) Schaden oder erhebliches Unwohlsein zuzufügen.


Fassen Erwachsene jedoch nur diese Ausprägungen als Gewalt auf, werden viele für Kinder und Jugendliche relevante Phänomene übersehen, weil z.B. nur auf körperliche Übergriffe geachtet wird.

Die vielen Formen und Mechanismen von Gewalt finden sich in der Definition der WHO.

Violence is the intentional use of physical and psychological force or power, threatened or actual, against oneself, another person, or against a group or community, that either results in or has a high likelihood of resulting in injury, death, psychological harm, mal-development or deprivation. 


Frei übersetzt bedeutet diese Definition, dass eine absichtliche Schädigung durch körperliche oder psychologische Kraft – tatsächlich ausgeführt oder angedroht – wird. Diese Schädigung kann gegen einem selbst gerichtet sein, gegen andere Personen, Personengruppen oder Gemeinschaften. Die Schädigungen führen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod oder psychologischen Schäden. In dieser sehr breiten Definition werden die eingesetzten Mittel (körperlich oder psychologisch), die Geschädigten (gegen den Täter / die Täterin selbst, gegen eine einzelne Person, gegen eine Gruppe, gegen eine Gemeinschaft) und die Art des Schadens (Verletzung, Tod, psychologisches Leid, Entwicklungsprobleme oder Deprivation) miteinbezogen.

Ein zu breites Begriffsverständnis ist für die gewaltpräventive Arbeit eher hinderlich, da es dann schwierig ist zu entscheiden, wo man bei Gewaltprävention am besten ansetzen sollte.